Ich möchte ein bestimmtes Stück spielen. Kann ich mir dieses individuell preisgünstig übertragen lassen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Noten zu übertragen:

Notensatzprogramme

Ein Notensatzprogramm ist eine Computersoftware, mit der man Noten einscannen oder direkt am Rechner eingeben kann. Die eingegebenen oder eingescannten Noten werden korrigiert und anschließend im Music-XML-Format abgespeichert. Die so entstandenen Dateien kann man abschließend z.B. auf den Makebraille-Server der DZB Leipzig hochladen. Dieser wandelt die Music-XML-Datei in Brailleschrift um und gibt die fertig konvertierten Noten auf dem Bildschirm aus, von wo man sie in einen Texteditor kopieren und abspeichern kann. Viele portable Braillezeilen können außerdem Text-Dateien, also auch Blindenschriftnoten, darstellen. Auf diese Weise kann man die Stücke, die man gerade übt, immer bei sich tragen. Ein immenser Vorteil, wenn man bedenkt, dass selbst kleine Normal-Druck-Bücher unter Umständen zwei dicke Brailleschriftbände ergeben können.

Ich lerne seit Jahren meine Noten mit der Braillezeile und komme damit sehr gut zurecht.

Einzelübertragung der DZB

Die DZB Leipzig bietet im Rahmen des Make-Braille-Services die Möglichkeit, Noten individuell übertragen zu lassen. Der Nutzer schickt die Normaldruck-Noten entweder per Post oder eingescannt nach Leipzig, wo sie korrigiert, gegen einen festgesetzten Seitenpreis übertragen und dem Nutzer nach kurzer Zeit in Blindenschrift zurückgeschickt werden. Man bekommt die Noten entweder per E-Mail oder ausgedruckt per Post.  Soweit ich weiß, bevorzugen viele Nutzer nach wie vor das Einstudieren  der Noten mit Hilfe eines herkömmlichen Buches.  Diese Lernmethode bietet einen Besseren Überblick über das Stück, weil man sich auf einem Blindenschriftblatt mit der Hand viel schneller bewegen kann, als zeilenweise mit der Braillezeile. Hat man bei einem Chorwerk, in dem Sopran und Alt auf ein und derselben Seite notiert sind, z.B. gerade im  oben  stehenden Sopran zu tun und will mal eben nachschauen, was der  unten notierte Alt an der entsprechenden Stelle zu singen hat, ist man dort mit der Hand sehr schnell angekommen, während man mit einer Braillezeile per Knopfdruck Zeile für Zeile dort hin navigieren muss.

Notenübertragung in der SBS Zürich

Die SBS Zürich bietet zwar keinen Übertragungsservice nach dem Modell der Leipziger Bibliothek an, hat dafür allerdings ein anderes, nicht weniger attraktives Konzept:

: Möchte man ein bestimmtes Musikstück oder Unterrichtswerk in Blindenschrift haben, nimmt man mit der SBS Kontakt auf und schlägt das Werk als Übertragungswunsch vor. Die SBS prüft dann, wo das Werk im Normaldruck erschienen ist und wie aufwendig sich die Übertragung gestaltet. Je nach Aufwand un Zeitaufkommen wird das Werk dann eingeplant, in Blindennotenschrift übertragen und ins Verlagsprogramm übernommen. Auf diese Weise ist der gesamten Blindennoten-Nutzerschaft geholfen und man selbst erhält in einer überschaubaren Zeit seine Noten.

Übertragung per Hand

Neben den elektronisch basierten Übertragungsmöglichkeiten kann man natürlich nach wie vor Noten per Blindenschrift-Schreibmaschine oder auch mit dem Computer abschreiben. Dazu braucht man zwar eine sehende Hilfsperson, die die Noten diktiert, aber immerhin haben viele Musikergenerationen auf diese Weise Noten abgeschrieben, bevor es elektronische Hilfsmittel gab. Außerdem ist das manuelle Abschreiben bei kurzen und einfachen Musikstücken, z.B. bei einstimmigen Melodien, manchmal die schnellste Übertragungsmethode. Ein 16 Takte langer Choral ist nämlich wesentlich schneller diktiert und per Hand abgetippt, als nach Leipzig geschickt oder eingescannt.

Zuletzt aktualisiert am 18.01.2018 von Michael Kuhlmann.

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