Wie alles begann

Bevor wir uns mit der Schrift selbst beschäftigen, müssen wir auf jeden Fall deren Erfinder vorstellen. Obwohl es mittlerweile eine beachtliche Anzahl an Braille-Biographien und Büchern, von online-Artikeln gar nicht zu reden, gibt, hier ein paar Sätze über sein Leben und Wirken.

1809 im französischen Coupvray geboren, erblindete Louis Braille im Alter von zwei Jahren, nachdem er sich beim Spielen in der elterlichen Sattlerwerkstatt mit einem Messer ins Auge gestochen hatte. Die durch die Verletzung und mangelnde Hygiene entstandene Entzündung griff schnell auf beide Augen über und führte nach kurzer Zeit zur kompletten Erblindung Brailles.

Als Schüler des Pariser Blindeninstitutes unternahm er schon in früher Jugend erste Versuche, eine Blindenschrift zu erfinden, die von den Betroffenen selbstständig gelesen und geschrieben werden konnte. Die aus 12 Punkten bestehende Nachtschrift des französischen Artillerie-Hauptmannes Charles Barbier, die Louis Braille im Alter von 11 Jahren kennen lernte, lieferte die Initialzündung zur heutigen Blindenschrift. Braille reduzierte dieses aus 12 Punkten bestehende System auf 6 Punkte und entwickelte auf dieser Basis seine Braille-Schrift, die er 1825 fertigstellte. Als Pianist und Organist für diese Aufgabe prädestiniert, schuf er in den folgenden Jahren auch die auf dem gleichen Muster basierende Notenschrift.

Beide Systeme hatten in den ersten Jahren nach ihrer Erfindung und Vorstellung einige Startschwierigkeiten, weil die seinerzeit zuständigen Blindenpädagogen der Auffassung waren, dass die Brailleschrift zwar leicht erlernbar sei, sich aber grundlegend von der Schrift der Sehenden unterscheide und deshalb die Blinden isolieren würde. Der Siegeszug sollte aber nicht mehr lange auf sich warten lassen:

1850 wurde die Brailleschrift offiziell für den Unterricht an französischen Blindenschulen zugelassen, 1879 wurde sie in Deutschland eingeführt und wurde nach und nach weltweit zur allgemein anerkannten und standardisierten Blindenschrift.

Louis Braille selbst erlebte den Erfolg seiner Erfindung nicht mehr. Er starb 1852 in Paris an den Folgen einer Tuberkulose-Erkrankung.

Soweit der kleine Geschichts-Exkurs.  Sie sind nach wie vor neugierig?  Sehr gut! Denn als nächstes zeigen wir Ihnen, wie die Blindennotenschrift funktioniert und wie man sie lernen kann.