Die Blindennotenschrift verstehen

Mit der Erfindung der Blindenschrift bzw. der Blindennotenschrift kam auch ziemlich bald die Diskussion über das für und wider. Damals wie heute wird sie von vielen geschätzt, andere empfinden sie als schwer oder unpraktisch. Einige halten sie gar im zunehmenden Einfluss des digitalen Zeitalters für überholt.

Im Folgenden lernen Sie die Grundlagen der Blindennotenschrift kennen. Sie lernen die Töne, die zugehörigen Blindenschriftzeichen und, Sie haben richtig gelesen, zwei Takte eines Musikstückes. Nach der Lektüre der folgenden Absätze sind Sie womöglich noch neugieriger als vorher, und schließlich müssen Sie als potenziell angehender Notennetzwerker ja wissen, worauf Sie sich einlassen. smile

Aufbau und Funktion

Alle 6 Punkte

Die Grundform der Blindenschrift, das sogenannte Vollzeichen, besteht aus sechs im Rechteck angeordneten Punkten, wie die "6" auf einem Spielwürfel. Daraus ergeben sich zwei Spalten mit jeweils drei untereinander angeordneten Punkten. Wir nummerieren diese Punkte zum besseren Verständnis von 1 bis 6, wobei die Punkte 1 bis 3 der linken und die Punkte 4 bis 6 der rechten Spalte zugeordnet sind. Das komplette Braille-Alphabet gibt es in einer recht gut zugänglichen Version in DIESEM WIKIPEDIA-ARTIKEL Da man für die einfachste Darstellung von Noten am Anfang nur bestimmte, wenige Zeichen braucht, hier die Buchstaben a bis j des Braille-Alphabetes:

a= Punkt 1  b= Punkte 1 2  c= Punkte 1 4  d= Punkte 1 4 5  e= Punkte 1 5

f= Punkte 1 2 4  g= Punkte 1 2 4 5  h= Punkte 1 2 5   i= Punkte 2 4   j= Punkte 2 4 5

Die Notenschrift basiert auf demselben Alphabet und wird, wie die herkömmliche Schrift, zeichenweise nebeneinander aufgeschrieben. Alle Noten und Bezeichnungen der Normaldrucknotenschrift sind darstellbar. Dabei werden die Noten der Stammtöne c, d, e, f, g, a und h aus den oberen vier Punkten, also den Punkten 1, 2, 4 und 5, des sechs-Punkte-Rechtecks gebildet.  Die folgenden Abschnitte zeigen die Töne der C-dur-Tonleiter in Blindennotenschrift als Achtel, Viertel, halbe und ganze Noten::

Achtelnoten

c= Punkte 1 4 5  d= Punkte 1 5  e= Punkte 1 2 4  f= Punkte 1 2 4 5  g= Punkte 1 2 5  a= Punkte 2 4  h= Punkte 2 4 5

Viertelnoten

c= Punkte 1 4 5 6  d= Punkte 1 5 6  e= Punkte 1 2 4 6  f= Punkte 1 2 4 5 6  g= Punkte 1 2 5 6  a= Punkte 2 4 6  h= Punkte 2 4 5 6

halbe Noten

c= Punkte 1 3 4 5  d= Punkte 1 3 5  e= Punkte 1 2 3 4  f= Punkte 1 2 3 4 5  g= Punkte 1 2 3 5  a= Punkte 2 3 4  h= Punkte 2 3 4 5

ganze Noten

c= Punkte 1 3 4 5 6  d= Punkte 1 3 5 6  e= Punkte 1 2 3 4 6  f= Punkte 1 2 3 4 5 6  g= Punkte 1 2 3 4 6  a= Punkte 2 3 4 6  h= Punkte 2 3 4 5 6

Erklärungen

Die Noten werden zeilenweise nebeneinander aufgeschrieben. Der Taktstrich ist in Blindennotenschrift einfach ein Leerzeichen, wie zwischen zwei Wörtern in einem normalen Text. Die Stimmen in mehrstimmiger Musik stehen normalerweise untereinander, wobei es international unterschiedliche Schreibweisen gibt. Am Anfang orientieren wir uns aber an der gängigsten Abschnittschreibweise. Danach würde ein achttaktiges Stück für Klavier z.B. wie folgt aufgeschrieben:

Ganz oben in der ersten Zeile steht zunächst der Titel. Die Zeile darunter enthält, etwas eingerückt, die als Bruchzahl, 4/4, aufgeschriebene Taktangabe. Der eigentliche Notentext beginnt mit einem speziellen Zeichen für die rechte Hand = Punkte 4 6 3 4 5, gefolgt von den vier Takten, die mit der rechten Hand gespielt werden sollen. Direkt daneben stehen die nächsten vier Takte, die in diesem Stück mit der linken Hand gespielt werden. Sie beginnen mit dem Prefix-Zeichen für die linke Hand, = Punkte 4 5 6 3 4 5. Ganz am Ende gibt es noch das sogenannte Schlusszeichen. Wie der Name schon vermuten lässt, markiert es das Ende des Stückes,= Punkte 1 2 6 1 3. Zur Kennzeichnung der Tonhöhe gibt es die Oktavzeichen, die am Anfang des Notentextes unmittelbar hinter dem rechte-Hand-Zeichen vor der ersten Note stehen. Bei Oktavwechseln innerhalb des Stückes werden sie nach bestimmten Regeln immer vor dem Notenzeichen aufgeschrieben.

Bei längeren Stücken werden die einzelnen Stimmen, bei Klaviernoten die Hände, untereinander aufgeschrieben. Und zwar zunächst die betreffenden Takte für die rechte und direkt darunter dieselben Takte für die linke Hand.

Soviel zur Theorie. Um das Ganze etwas zu veranschaulichen, gibt es das soeben erklärte kleine Stück in zwei Versionen, als PDF und als TXT, für Blindenschriftleser, zum Download.